Tobias Bierl
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Quick Risk in der Risikovoranfrage – Erfahrungen aus der Praxis

Tobias Bierl ist Finanzberater, Versicherungsmakler und Blogger aus der Nähe von Regensburg. Er hat den Risikoprüfungsprozess der LV 1871 mit und ohne Quick Risk getestet. Hier schreibt er über seine Erfahrungen aus der Praxis.

Risikovoranfragen in der biometrischen Absicherung ist für uns so etwas wie Alltag geworden. Auf eine Anfrage nach der passenden Berufsunfähigkeitsversicherung antworte ich dem Interessenten, dass er sich bitte erst um seine persönliche Patientenakte kümmern muss. Vorher geben wir als Unternehmen kein Angebot eines Versicherers heraus. Was helfen einem die schönsten Bedingungen oder ein eventuell günstiger Preis, wenn die eine Versicherungsgesellschaft die Wirbelsäule ausschließen würde, die andere aber, welche einen Tick von den Bedingungen abfällt, genau diesen Punkt normal miteinschließt?

So muss sich also der Interessent erst um seine Krankenakte kümmern, womit ich dann anschließend abkläre, welche Gesellschaft ihn zu welchen Konditionen nimmt. Dies ist alles natürlich mit erheblichem Zeitaufwand verbunden – für die interessierte Person, für uns als Versicherungsmakler und selbstverständlich auch für die Risikoprüfung bei den einzelnen Gesellschaften. Und da wäre ich jetzt bei der Risikoprüfung und wie man gewisse Prozesse verschlanken könnte. Natürlich testete ich auch einige bekannte Risikovoranfragetools am Markt. Diese können bei bestimmten, leichten Erkrankungen oder auch gefährlichen Hobbys durchaus eine Erleichterung darstellen. In der Praxis ist dies im Moment noch nicht relevant. Die Fragen nach den einzelnen Krankheitsbildern sind zu allgemein, da schlichtweg jede Versicherungsgesellschaft noch individuell prüft und gegebenenfalls ein Krankheitsbild etwas anders einschätzt.

Quick Risk: Wenige Eingaben liefern erste Tendenz

Recht interessant für einen ersten Überblick ist aber das Tool Quick Risk der LV 1871. Hier bekommt man mit sehr wenigen Eingaben schon eine erste Tendenz. Das Tool bietet auf jeden Fall etwas mehr Praxisbezug als manch andere Eingabesoftware.

In der letzten Woche hatte ich zwei interessante Risikovoranfragen auf meinem Schreibtisch. Zum einen einen jungen CNC-Schleifer mit folgenden Diagnosen: Sinus Pilonidalis und Steißbeinfistel


Und Nabelhernie

Ich gebe es zu – sämtliche tausende Diagnosen auf diesem Planeten kenne ich nicht. Ich bin Versicherungsmakler, der zwar auf die biometrischen Risiken spezialisiert ist, aber kein Arzt. Bei manchen Diagnosen muss ich erst einmal googeln und mich persönlich fragen, wie eine Annahme bei einem BU-Versicherer aussehen wird.

Beide Krankheitsbilder des Interessenten liegen schon einige Jahre zurück, aber eben noch im abgefragten Zeitraum. Es ist nach seiner Aussage folgenlos ausgeheilt und es gab auch keine weiteren Arztbesuche mehr nach der OP und Nachuntersuchung. Somit wollte ich gleich mal Quick Risk mit diesen nicht sehr geläufigen Krankheitsbildern testen.

Votum Nabelhernie

Votum Steißbeinfistel

In beiden Fällen gab es hier ein erfreulich klares Votum mit einer normalen Annahme. Hier kann uns Quick Risk auf jeden Fall etwas Arbeit abnehmen – sei es nur, eine Diagnose besser einordnen zu können.

Im zweiten Fall komme ich aber mit dem Tool schnell an meine Grenzen. Der junge Ingenieur hat sich unseren Rat mit der Einholung der Patientenakte zu Herzen genommen und sämtliche behandelnden Ärzte und Krankenkassen abgeklappert und Unterlagen eingeholt. Diese hatten fast den Inhalt eines Buches, über 70 Seiten wurden mir gesendet.

Risikoprüfung bei der LV 1871: penibel und mit gesundem Menschenverstand

Hier kommt Quick Risk schnell an seine Grenzen. Die Diagnosen sind zu umfangreich und gehen teilweise von einer Erkrankung in die nächste über. Das kann keine Software beurteilen. Das muss die Risikoprüfung im Detail ansehen. Ich weiß selber, dass dies für die einzelnen Prüfer keine tolle Arbeit darstellt, immerhin ergibt sich nur aus rund fünf bis 15 Prozent der Risikovoranfrage (gesellschaftsunterschiedlich) ein Antrag. Manche Versicherungsunternehmen gehen hier mittlerweile auch sehr rabiat vor, indem sie beispielserweise keine Voranfragen mit mehr als zehn Seiten Umfang bearbeiten. Das ist aber keine Basis für uns als Versicherungsmakler. Wir arbeiten zum Wohle des Kunden und suchen die beste Lösung. Mit diesen Gesellschaften ist das schwierig. Deshalb loben wir schon die Risikoprüfung der LV 1871, die selbst auch schwierige und umfangreiche Fälle noch penibel und mit gesundem Menschenverstand prüfen.

Hier fällt mir gerade eine Risikolebensversicherung für eine relativ geringe Summe von 100.000 Euro bei der Delta Direkt ein. Darüber haben wir schon einmal gebloggt . Klar, hier ist wenig zu verdienen – für den Versicherungsmakler wie auch für die Gesellschaft. Die Voranfrage hatte über 90 Seiten. Es lagen erhebliche Vorerkrankungen vor. Die meisten angefragten Gesellschaften schickten bald eine Ablehnung heraus, die Risikoprüfung der Delta Direkt prüfte individuell und gab letztendlich einen Risikozuschlag von 100 Prozent aufgrund der Vielzahl an Diagnosen heraus. Hier schätzen wir also eine persönliche Einschätzung des Falles. Dies kann auch kein Quick Risk bewerkstelligen, aber man kann auf kurzem Wege für manche Erkrankungen eine gute und vernünftige Einschätzung bekommen.

Über den Autor

Tobias und Stefan Bierl sind gefragte Experten bei Voranfragen für biometrische Absicherungen. In ihrem Blog unter www.finanzberatung-bierl.de/blog/ berichten sie regelmäßig aus ihrer Praxis als Finanzberater und Versicherungsmakler.

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2 Kommentare
  • Tobias Bierl
    Tobias Bierl
    14. Februar 2017 Antworten

    Schöner und informativer Artikel 🙂

    Nein, nein – mal im Ernst – hat Spaß gemacht meine Erfahrungen aus der Praxis zu teilen:-)!

    • Anja Schöne
      Anja Schöne
      16. Februar 2017 Antworten

      Danke Herr Bierl, dass Sie Ihre Erfahrungen aufgeschrieben haben. Das Feedback aus der Praxis ist auch für uns sehr wichtig. Wir freuen uns schon auf weiteres Feedback. 😉