Steffi Rösch
Steffi Rösch
Expertin Produktmanagement und -entwicklung
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Lebensversicherung: Panikmache bei „hart aber fair“

Am Montagabend stand die ARD-Sendung „hart aber fair“ unter dem Titel „Crash der Lebensversicherung: Panikmache oder echte Gefahr?“ Viele Medien haben die einzelnen Gästemeinungen wiedergeben. Wir halten fest: Die Branche ist besser als ihr Ruf.

An der Diskussionsrunde beteiligte sich Peter Schwark, Geschäftsführer des Branchenverbands GDV, als einziger Vertreter der Versicherungsbranche. Weitere Gäste und Experten waren Ralph Brinkhaus (stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Finanzexperte der CDU), Anja Kohl (ARD Börsenexpertin), Ulrich Schneider (Paritätischer Wohlfahrtsverband), Sven Enger (ehemals Standard Life, dessen gerade veröffentlichte Buch „Alt, arm und abgezockt“ Aufhänger für die Sendung war), sowie Kerstin Becker-Eiselen (Verbraucherzentrale Hamburg).

Es gibt keinen Crash

Dass es sich bei den in der Sendung diskutierten Thesen um reine Panikmache handelt, formuliert der GDV explizit auf seiner Webseite und untermauert diese Aussage mit fundierten Fakten. So lagen die laufenden Kapitalerträge der Lebensversicherer im Jahr 2016 bei durchschnittlich 3,35 Prozent. Wegen der bereits in der Vergangenheit zurückgestellten Zinsreserven (die sogenannte Zinszusatzreserve, die Ende 2017 rund 65 Mrd. Euro betrug) liegt die für Kundenverträge aufzubringende Garantieverzinsung nur noch bei 2,1 Prozent. Da Versicherer auch die Kapitalpuffer verzinslich anlegen, benötigen sie lediglich eine Anlagerendite von 1,9 Prozent um die garantierten Kundenansprüche zu erfüllen. Selbst in der Neuanlage ist diese Rendite derzeit zu erwirtschaften, trotz des niedrigen Zinsniveaus.

Außerdem beruht das System der Lebensversicherung auf Kapitaldeckung und nicht wie die gesetzliche Rentenversicherung auf einer demografieabhängigen Umlagefinanzierung. Die Leistungen werden planmäßig aufgebaut und bei Vertragsende unabhängig von der Zahl der Beitragszahler aus den vorhandenen Kapitalanlagen gedeckt.

Des Weiteren kommt die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) in ihrer ersten Bewertung seit Einführung von Solvency II zu dem Ergebnis: Alle Versicherungsunternehmen haben die Anforderungen erfüllt und halten mehr Kapital vor als nötig, um ihren Verpflichtungen nachzukommen. Über alle Versicherungssparten hinweg liegen die so genannten Solvenzkapitalanforderungen der Versicherer im Durchschnitt bei 330 Prozent. Die LV 1871 liegt mit 401 Prozent sogar noch deutlich über diesem Schnitt.

Lebensversicherungen lohnen sich zur Altersvorsorge auch im heutigen Niedrigzinsumfeld

Um die 90 Millionen Versicherungsverträge haben die Deutschen derzeit. Das bezeugt ein nach wie vor hohes Vertrauen bei den deutschen Sparern. Trotz Niedrigzinsphase halten etwa die Hälfte der Lebensversicherer die laufende Verzinsung für das Jahr 2018 auf dem Niveau des Vorjahres. Unumstritten ist, dass Verträge, die in Hochzinsphasen – also vor 2005 – abgeschlossen wurden, aus Kundensicht lukrativer sind als heutige Neuverträge.

In der Fernsehdiskussion zogen die Beteiligten hier den Vergleich mit der Inflation. Unberücksichtigt blieb dabei, dass kaum eine risikoaverse Anlageform zur Zeit überhaupt eine Rendite liefert, die über der Inflation liegt. Aktuell gibt es kaum ein Tagesgeldkonto, das eine Verzinsung über 0,90 Prozent anbietet. Völlig unberücksichtigt blieb auch, dass eine Versicherung kein reines Anlagegeschäft ist. Vielmehr geht es in der Regel bei einer Altersvorsorge oder Lebensversicherung darum, zusätzlich ein Risiko mit abzusichern, zum Beispiel den Todesfall oder das sogenannte Langlebigkeitsrisiko. Dieses Maß an Sicherheit bietet keine andere Anlageform.

Ein Kritikpunkt an dem die Versicherungsbranche durchaus arbeiten kann bleibt. Die Transparenz ist häufig nicht ausreichend. Kunden verstehen oft nicht den Zusammenhang zwischen garantierten und möglichen Leistungen und welche Auswirkung die Niedrigzinsphase auf den Ertrag ihrer Police hat.

Sicherheit für die Kunden

Die Branche biete eine Sicherheit wie keine andere Finanzdienstleistungsbranche. Auch dass nun namhafte Versicherer Policen an sogenannte Run-off-Gesellschaften verkaufen, ändert nichts an diesem Umstand. Ein Run-off ist ein völlig legitimes Konzept. Jedes Unternehmen ist verpflichtet, darüber nachzudenken, unrentable Geschäftsfelder zu schließen. Die BaFin hat auch nach einem Run-off weiterhin das Aufsichtsregime über die Bestände.

Was ein Run-off für Kunden bedeutet hat der GDV gut zusammengefasst. Für die Kunden ändert sich nichts. Die Verträge werden wie vertraglich vereinbart bis zum Ende der Laufzeit unverändert fortgeführt. Die Versicherten erhalten auch zukünftig alle garantierten Leistungen, also insbesondere die garantierten Kapital- und Rentenzahlungen. Darüber hinaus werden Kunden unverändert an den anfallenden Überschüssen beteiligt. Sämtliches Vermögen inklusive der zugehörigen Bewertungsreserven, das mit den Prämienzahlungen des Versichertenkollektivs geschaffen wurde, bleibt dem Kollektiv erhalten. Weil die Gesellschaft kein Neugeschäft mehr betreibt, kommen keine neuen Verträge hinzu. Der Bestand reduziert sich nach und nach und läuft aus.

Versicherer, die Vertragsbestände übernehmen, können durch die Bündelung der Verträge auf darauf spezialisierten einheitlichen Plattformen erhebliche Kosteneinsparungen in der Verwaltung erzielen. Davon profitieren dann auch die Kunden: Denn an den entstehenden Kostenüberschüssen müssen die Kunden zu mindestens 50 Prozent beteiligt werden.

Private und betriebliche Altersvorsorge weiter stärken

Die gesetzliche Rente wird auch in Zukunft eine starke Säule der Alterssicherung sein. Sie braucht aber ergänzend ein lebenslanges Alterseinkommen aus kapitalgedeckter Vorsorge, um Altersarmut zu vermeiden und bestenfalls den Lebensstandard im Alter zu sichern. Es gilt, die private und betriebliche Altersvorsorge weiter zu stärken – trotz der unverändert anhaltenden Niedrigzinsphase. Schweden und Norwegen können hier als positive Beispiele herangezogen werden.

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